Warum ich Vegan esse – und wie ich dazu kam

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vegan

Seit April 2014 ernähre ich mich nun vegan und ich werde immer wieder gefragt „warum?“. Heute möchte ich euch erzählen wie es dazu kam, wie ich mich damit fühle und was mein Fazit daraus ist.

„Also ich könnte das ja nicht!“ „Wow ich bewundere dich das du das kannst“ „Also auf Fleisch könnte ich ja verzichten aber auf Käse? Niemals!“

Das sind wohl die häufigsten Aussagen die ich höre. Immer wieder sehe ich die weit aufgerissenen Augen und das entsetzte Gesicht. Oh mein Gott ich ernähre mich vegan! Wenn ich nicht gerade fragend und schockiert angesehenen werde dann immerhin spöttisch oder sogar wie der Staatsfeind Nr. 1. Denn ich esse deren Essen das Essen weg…

Umso faszinierender das alles total plausibel wird sobald ich erwähne, dass ich es aus gesundheitlichen Gründen tue. Da frage ich mich immer wieder, was das nun plötzlich für einen Unterschied macht. Warum bin ich für die „Fleischesser“ vollkommen in Ordnung und cool, wobei Menschen die aufgrund des Leidens der Tiere sich dazu entschlossen haben vegan zu essen?

Ich gebe es ja zu. Vor dem Ganzen habe ich selbst dazu gehört. Zu denen die sagten „Ich könnte das ja nie!“ aber hey ich habe mich damit auch nie auseinander gesetzt. Woher sollte ich das auch besser wissen. Und auch ich hatte noch das Bild des barfußlaufenden-langhaarigen-Öko-Hippies im Kopf wenn ich an Veganer dachte.

Im April 2014 war alles anders…

Letztes Jahr erhielt ich eine für mich schockierende Diagnose. Sarkoidose. Ich konnte damit nichts anfangen und fühlte mich zunächst hilflos. Ich war krank – chronisch – für immer… Doch ich gehöre nicht zu den Menschen die sich im Selbstmitleid baden und sich damit zurechtfinden, dass man nichts besser machen kann. Ich war schon immer ein positiv-denkender Mensch der aus der schlimmsten Situation immer versucht hat das Beste draus zu machen. Warum sollte ich das also auch nicht mit meiner Diagnose machen? Ich erkundigte mich über die Krankheit, las in Foren nach und unterhielt mich mit Gleichgesinnten. Ich kam relativ schnell auf ein Ergebnis!

ICH ändere was!

Ich verzichte auf tierische Produkte! Ich las sehr oft das tierische Produkte aller Art Entzündungen im Körper fördern würden. Klar war Fleisch da der größte Faktor, aber auch Milchprodukte, Eier etc. hatten ihren Anteil. Da Sarkoidose sehr viel mit Entzündungen zu tun hat, war für mich schnell klar: Wenn sich schon von Grund auf viele Entzündungen in meinem Körper befinden, warum soll ich mir dann zusätzliche Entzündungsförderer hinzufügen? Schließlich würde ich doch, wenn ich Kopfschmerzen hätte, nicht zusätzlich laute Musik hören.

Totale Reizüberflutung!

Also aß ich jetzt nur noch Vegan. „Puh! Und was kann ich noch essen? Ich werde verhungern und mindestens 40 kg abnehmen! Ich hasse Gemüse…“ Das waren meine ersten Gedanken nachdem ich meinen Entschluss fasste. Ich musste mich erstmal informieren. Was kann ich alles essen? Wo kann ich einkaufen? Worauf muss ich achten? Ich las mich durch Foren, befragte meine beiden Kolleginnen (beide Veganerinnen seit langer Zeit) und schloss mich Gruppen an. Und ich stellte relativ schnell fest: „OMG es gibt so viel!?!“. Ich konnte Nudeln, Pizza, Reis, Kartoffeln und selbst Oreo-Kekse essen! Es gab Tofu Würstchen, Seitan-Schnitzel und sogar veganen Pizzakäse! Ich war völlig überfordert und wollte alles testen! Vom getrockneten Weizen-Hack bis hin zum Soja-Joghurt über vegane Marshmallows. Es gab einfach alles. Ich ernährte mich also die ersten Wochen nur von veganem Junk-Food. Den man möge es kaum glauben aber auch als Veganer kann man sich sehr schlecht ernähren ;-).

Ich möchte gesund leben!

Ich erkannte zum Glück relativ schnell, dass meine momentane Ernährungsweise (auch wenn sie vegan war) nicht gerade gesund war. Also befasste ich mich mehr mit einer gesunden veganen Ernährung und fing an plötzlich Gemüse zu mögen das ich schon seit Jahren verschmähte. Ich fand meinen Ausgleich. Ich lernte mehr über Ernährung und was diese in meinem Körper auslöste. Was gut und was schlecht für mich war – ohne jedoch auf etwas zu verzichten. Ich lernte was es hieß auf gute Qualität statt Quantität zu setzen. Empfand Dinge als „besonders“ die ich vorher als „selbstverständlich“ ansah. Ich war mit mir im Reinen. Ich fühlte mich gut! Und das zeigte mir mein Körper auch! Damals im April 2014 sagte mir mein Arzt, ich müsste mein ganzes Leben Kortison nehmen. Mittlerweile nahm ich seit Monaten nichts davon – ich brauchte es nicht! Mein Körper nahm sich aus meiner Ernährung das was er brauchte.

Der ethische Aspekt

Da ich mich mittlerweile körperlich (den Umständen entsprechend) gut fühlte, kam nun nach und nach der ethische Aspekt dazu. Es gab Zeiten da sagte ich mir „Ach wenn die Sarkoidose nicht wäre, dann würd ich ja mal so nen Schnitzel essen…“ und ich merkte langsam aber stetig das sich diese Meinung änderte. Ich wollte kein Fleisch mehr essen, denn die Tatsache, dass wegen mir kein Tier getötet werden musste machte mich glücklich. Ich wollte keine Milch trinken, ich wollte nicht der Grund für den Tod eines Lebewesens sein. Ich veränderte mich. Ich wurde zu einem besseren Ich – zumindest für mich. Ich war glücklich.

Fazit

Auch wenn es mich anfangs belastet hat und ich glaubte das es schwierig sei, sich vegan zu ernähren wurde ich eines besseren belehrt. Nach über einem Jahr fühlt es sich für mich an, als sei es nie anders gewesen. Ich bin nicht perfekt und möchte das auch damit nicht sagen. Ich fühle mich jetzt einfach besser und habe noch einen langen Weg vor mir. Denn auch ich möchte irgendwann von mir behaupten können, dass ich komplett Vegan lebe (Kleidung, Kosmetik etc.). Ich bin auf einem guten Weg und habe die ersten Schritte getan. Ich kann jedem nur ans Herz legen sich mal mit dem Thema zu befassen und vielleicht auf seinen Konsum von tierischen Produkten zu achten. Denn wen Jeder wieder zum Sonntagsbraten zurückkehren würde und nur einmal die Woche Fleisch konsumieren würde, könnte man auf 2/3 aller Massentierhaltungen verzichten!!! Ich möchte euch nicht bekehren, ich denke jeder muss diese Entscheidung für sich selbst treffen – denn wenn man zu etwas gezwungen wird, dann bleibt man oft nicht lange dabei und steht nicht dahinter. Aber ich kann euch informieren und euch Einblicke verschaffen und vielleicht rege ich den einen oder anderen zum Nachdenken an ❤

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und danke das ihr euch ein Teil meiner Geschichte angehört habt. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir Feedback da lassen würdet und mir vielleicht schreibt, wie ihr zu dem Ganzen steht?

Liebe Grüße

Eure Brittney aka. Kisuhanayori

8 Kommentare zu „Warum ich Vegan esse – und wie ich dazu kam

  1. Sehr guter Beitrag liebe Brittney 🙂 ich sehe das so wie du, die Sache mit dem Sonntagsbraten ist absolut richtig. Ich lebe „noch“ nicht vegan, aber vegetarisch und auch ich bin glücklich damit. Auch ich lerne nach und nach meine komplette Ernährung umzustellen und auf tierische Produkte zu verzichten. Warum nicht zusammen daran arbeiten, die Welt wieder ein Stückchen besser zu machen!!! 😉

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  2. Hat mir sehr sehr gut gefallen Dein Artikel! Ich habe 3 Jahre vegetarisch gelebt, esse seit ner Weile jetzt aber wieder „alles“-trotzdem achte ich darauf regionale Produkte zu kaufen und vor allem bei Fleisch und Eiern gehen mein Freund und ich zum Bauer/Metzger unseres Vertrauens. Ich find es trotzdem sehr schön, wenn Leute sich dazu entscheiden vegan, vegetarisch oder wenigstens bewusster zu leben und nicht nur um einem Trend hinterherzulaufen, sondern um wirklich mal nach Alternativen zu schauen. Und Dein gesundheitlicher Aspekt hilft hoffentlich auch einigen Menschen beim Umdenken, denn leider kommen sehr viele Erkrankungen von schlechter Ernährung.

    Würde mich auch sehr über Rezeptbeiträge freuen!
    LG Tanya

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  3. Hey Brittney, meine Schwester ist auch an Sarkoidose erkrankt. Leider wurde das bei ihr erst sehr spät erkannt. Sie ernährt sich zwar nicht vegan, aber sie gibt sich wenigstens nicht auf. Ich für meinen Teil habe mich mittlerweile dafür entschieden mich vegetarisch zu ernähren.

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    1. Hey Flo, das mit deiner Schwester tut mir leid! Ich hoffe trotzdem das sie damit – so weit es geht – gut damit zurecht kommt und nicht all zu sehr eingeschränkt ist. Es freut mich natürlich sehr das du dich dazu entschieden hast dich vegetarisch zu ernähren 🙂 Ich habe erst gestern einen Blogbeitrag über meine Diagnose Sarkoidose hochgeladen 🙂 Vielleicht interessiert es deine Schwester ja, die Geschichte einer Gleichgesinnten zu lesen? LG Brittney

      Gefällt 1 Person

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